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Vorstellung und Geschichtliches
Es gibt kaum Menschen, die sich der Faszination lebendigen Lichtes entziehen können. Das zeigt die Beliebtheit von Kaminen und brennenden Kerzen. In vielen Familien gehören heute erzgebirgische Pyramiden zum weihnachtlichen Brauchtum. Licht und Bewegung fesseln das Auge des Betrachters.
Nahezu unbekannt aber ist das Sebnitzer Schattenspiel geblieben, das ebenso als Weihnachtsvolkskunst Anfang des 19. Jahrhunderts entstand. Obwohl
es in seiner Wirkung die bekannte Pyramide noch übertrifft, blieb es bis heute ein handwerkliches Kleinkunstwerk seiner Region.
Sebnitzer Schattenspiele entstanden als Volkskunst ohne Kenntnis der Tradition des Schattenspiels und des Schattentheaters in den fernöstlichen
Ländern. Auch das im 18. und 19. Jahrhundert in einigen Ländern Europas beliebte Schattentheater hatte wahrscheinlich keinen Einfluss.
Die Sebnitzer Weihnachtskrippen aus Papier und Pappe, die handwerklichen Fähigkeiten der Sebnitzer Kunstblumenhersteller, vielleicht auch das Wissen
um die drehbaren Weihnachtspyramiden führten zur Erfindung und zum Bau von Sebnitzer Schattenspielen Anfang des 19. Jahrhunderts.
Maßgeblichen Einfluß auf die Gestaltung der Schattenspiele hatte der Sebnitzer Scherenschnittkünstler Adolf Tannert (1839-1913).
Das erste datierte Schattenspiel mit Scherenschnitten von Adolf Tannert stammt aus dem Jahr 1856. Es gibt aber auch Schattenspiele aus der Mitte des
19. Jahrhunderts, deren Figurenstreifen nicht von Tannert geschnitten worden sind. Die Schattenspielbauer haben diese, wie wenige erhalten gebliebene Beispiele zeigen, aus Bilderbogen und Spielkarten
ausgeschnitten und auf die Reifen geklebt. Die so entstandenen Figurenstreifen waren kleine Bildszenen.
Das Sebnitzer Schattenspiel hat ein Gehäuse aus Papier. Das Gerüst besteht aus Holz. Die Papierwände und das "Dach" sind mit
Ornamentschnitten und Leuchtbildern versehen. Es gleicht äußerlich einer Laterne. Im Inneren des Schattenspiels dreht sich eine Trommel aus Holz oder Draht. Sie wird durch die aufsteigende Wärme einer
Kerze oder Öllampe durch ein oben angebrachtes Flügelrad angetrieben. Die hölzerne Mittelachse der Trommel läuft oben und unten in einer Führung, unten endet sie in einer Nadel, die auf einem
Glasscherben steht. An den Außenwänden der Trommel sind in mehreren Etagen auf Holzreifen ausgeschnittene Scherenschnitte befestigt. Um das Umknicken der Figuren zu verhindern, sind sie mit Draht oder
Gaze hinterklebt.
Von diesen Originalen sind heute nur noch wenige im Heimatmuseum Sebnitz zu bewundern. Sie erfahren dort alles zur Geschichte des Sebnitzer
Schattenspiels. Wer sich die Zeit dafür nimmt, entdeckt in den Miniaturen der Scherenschnittkunst lebendige Szenen aus dem Leben der sächsischen Blumenmacher, der Handwerker, der Bauern, der Forstleute,
der Stollenbäcker und vieler anderer Schichten des einfachen Volkes vergangener Zeiten.
Das größte erhaltene
historische Sebnitzer Schattenspiel mit zwei Flügelrädern ist in der Ev.-Luth. Peter-Pauls- Kirche in Sebnitz in funktionsfähigem Zustand zu sehen. Es vermittelt einen wunderbar lebendigen Eindruck
dieser faszinierenden Volkskunst.
Der Zeitaufwand für die Herstellung der Schattenspiele ist sicher ein Grund dafür, dass Sebnitzer Schattenspiele nie gewerbsmäßig oder in Serie
gefertigt worden sind, auch ist der Messer- und Scherenschnitt eine Volkskunst, der sich nicht viele Menschen widmen können.
Figuren oder Figurengruppen miteinander in Beziehung zu setzen und sie als Schattenspiel in Bewegung zu bringen, diese alte Kunst hat es
verdient, fortgeführt, weiter entwickelt und über die Grenzen ihrer engeren Heimat hinaus vorgestellt zu werden.
Der Sebnitzer Bürger Hansjörg Hertwig beschäftigt sich seit 1979 mit dem Bau und der Weiterentwicklung von Sebnitzer Schattenspielen. Einige in
letzter Zeit gefertigte Schattenspiele sind hier abgebildet.
Kenner und Liebhaber erkennen auf den ersten Blick den hohen Anteil mühevoller Kleinarbeit in jedem dieser Kunstwerke.
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